Lesung mit Autorin Esther Dischereit
26. August 2026
Stadtbibliothek - 18.00 Uhr
Obere Königstr. 3-5, Kassel
Esther Dischereit erzählt in ihrem Roman eine deutsch-jüdische Familiengeschichte, die sich zwischen Berlin, Rom, Chicago und Heppenheim entfaltet. Die Dollarscheine des Titels stammen von einem Großvater, der in den USA lebt, einem Juden, der dort eine Christin geheiratet hat und in einem Viertel lebt, das weiß geprägt ist, weshalb sein Urenkel, dessen Vater schwarz ist, ihn dort nicht besuchen kann. Verschiedene Stimmen tauchen auf in diesem Buch auf, um die komplexen Verhältnisse zu erklären. So verhandelt Dischereit anhand der Geschichte einer Tante und ihres Neffen die Folgen, die die nationalsozialistischen Verbrechen für die Nachkommen hatten. Mit trockenem Humor und analytisch tiefgreifend fächert die Autorin die sehr unterschiedlichen Umgangsweisen ihrer Protagonisten mit der Vergangenheit auf. Tante und Neffe sind Kinder von Shoa-Überlebenden. Während aber die Tante sich beinahe obsessiv mit aktuellen politischen Verhältnissen beschäftigt und dadurch auch kritisch die Rolle des Zionismus für das Judentum reflektiert, versucht ihr Neffe durch Bräuche und Traditionen eine Annäherung an die jüdische Identität. Weil die Autorin dies mit Humor und erzählerischer Intelligenz zu Papier bringt, ist dieser Roman auch eine genussvolle Lektüre.
Esther Dischereit lebt in Berlin. Sie schreibt Prosa, Lyrik und Essays und ist Autorin von Theater- und Hörstücken. Mit „Joemis Tisch. Eine jüdische Geschichte“ und „Übungen, jüdisch zu sein“ wurde sie eine der wichtigsten literarischen Stimmen unter den Nachkommen der Shoa-Überlebenden in Deutschland. 2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Als Professorin lehrte sie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, 2019 als DAAD Chair in Contemporary Poetics an der New York University.
In Kooperation mit der Stadtbibliothek Kassel.