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Ich protestiere also bin ich. Erinnerungen eines Unangepassten

Vortrag und Gespräch mit Gabriel Berger (Berlin)

31. Oktober 2019


Wilhelm von Oranien Schule, Atrium - 19:00 Uhr
Jahnstr., Dillenburg


"Als ich 1957 dreizehnjährig aus Polen in die DDR kam, war mir dort eine steile Karriere fast sicher. Denn vor Hitlers Machtantritt ist mein Vater in Berlin kommunistischer Funktionär gewesen, der nach dem Reichstagsbrand ins Ausland fliehen musste.In der DDR galt er folglich als ein Kämpfer gegen den Faschismus. Er gehörte somit zum kommunistischen Adel, der in der DDR auf die nächste Generation vererbbar war. Da meine Eltern polnische Juden waren, die sich vor den Nationalsozialisten verstecken mussten, und ich selbst 1944 im von Deutschen besetzten Frankreich geboren wurde, war auch ich, wie meine Eltern, in der DDR als Verfolgter des Naziregimes (VdN) anerkannt, was mit erheblichen materiellen und sozialen Privilegien verbunden war. In der Oberschule war ich ein Musterschüler, mit besonderer Begabung für Mathematik und Naturwissenschaften, und, was in der DDR noch mehr zählte, ich brachte aus dem Elternhaus das `richtige` sozialistische Weltbild mit. Dass ich einen Studienplatz für Physik an der TU Dresden bekam und das Studium mit Bravour absolvierte, war selbstverständlich."

Und so identifizierte sich Gabriel Berger schon als Schüler zunächst voll mit dem DDR-System. Doch als Physik-Student geriet er schon bald auf ideologische Abwege. Unter dem Einfluss der demokratischen Opposition in Polen und mit dem Einmarsch der Truppen der Sowjetunion in die Tschechoslowakei im August 1968 wuchs seine Distanz zum politischen System der DDR und führte ihn zu der Erkenntnis, dass sich der Sozialismus des Ostblocks nicht reformieren ließ, er war und blieb eine Diktatur. So wurde für Gabriel Berger die DDR nie eine Heimat, auch dann nicht, als er nach dem Militärdienst als Physiker am Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf bei Dresden tätig war.

Sein "Privatkrieg gegen den Staat", den er als Physiker fortan mit Intellekt und Schwejkschem Schalk führte, brachte ihm ein Jahr Haft wegen "Staatsverleumdung" und schließlich 1977 die Ausreise in die Bundesrepublik ein. Seitdem beteiligte er sich hier als deutsch-deutscher und deutsch-jüdischer Zeitzeuge erster Güte aktiv an der Aufklärung der Öffentlichkeit über die DDR-Diktatur.

In Kooperation mit der Wilhelm von Oranien Schule, Dillenburg